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	<title>Beitrag &#8211; Stromkastenkunst</title>
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	<description>Der Blog für Journalismus, Bücher und Stromkästen</description>
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	<title>Beitrag &#8211; Stromkastenkunst</title>
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		<title>Wenn die Heizungs-Stasi der Remigration unterliegt.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Leonie Wiegel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 Nov 2024 16:38:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beitrag]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Kommentar von Dominik Hechler. Im vergangenen Jahr wurde das Wort Remigration vor Sozialklimbim und Heizungs-Stasi zum Unwort des Jahres gewählt. Diese Wahl wird jedoch nicht von einer Bevölkerungsgruppe oder einem ständig wechselnden Gremium getroffen. Der Verein „Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres“ aus Marburg in Hessen besteht aus fünf festen Mitgliedern, die zuletzt im Jahr [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ein <a href="https://powerboxart.de/symptome">Kommentar </a>von Dominik Hechler.</p>



<p></p>



<p>Im vergangenen Jahr wurde das Wort <em>Remigration</em> vor <em>Sozialklimbim</em> und <em>Heizungs-Stasi</em> zum Unwort des Jahres gewählt. Diese Wahl wird jedoch nicht von einer Bevölkerungsgruppe oder einem ständig wechselnden Gremium getroffen. Der Verein „Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres“ aus Marburg in Hessen besteht aus fünf festen Mitgliedern, die zuletzt im Jahr 2020 gewechselt haben. Dazu kommt jeweils ein kooptiertes Mitglied, das jährlich wechselt.</p>



<p>Diese sechs Mitglieder bestanden 2023 aus vier Sprachwissenschaftler:innen, einer Journalistin und einem ehemaligen Bundestagsabgeordneten der CDU. Sie haben sich schließlich dazu entschlossen, dass Remigration das Unwort des Jahres sein soll. Aber warum eigentlich?</p>



<p>Damit ein Wort zum Unwort des Jahres gewählt wird, muss es jemand vorschlagen. Diese Vorschläge können auch von anderen Menschen kommen. Der Verein gibt daher in der Regel bekannt, wenn Begriffe öfter eingesendet wurden. Häufigere Begriffe waren letztes Jahr <em>Remigration</em> und <em>kulturelle Aneignung</em>, aber auch Lehnwörter wie <em>Gamechanger.</em> </p>



<p>Die häufigsten Einsendungen waren jedoch <em>Sondervermögen</em> (62 Einsendungen), <em>Kriegstüchtigkeit</em> (71 Einsendungen) und <em>Technologieoffenheit </em>(78 Einsendungen). Der deutliche Favorit aus der <em>interessierten Bevölkerung </em>war jedoch mit Abstand der Begriff <em>Stolzmonat </em>mit 982 Einsendungen. Für die Wahl zum Unwort des Jahres gelten jedoch vier Kriterien, die gegeben sein müssen, damit sich eine Einsendung qualifiziert.</p>



<p>Ein potentielles Unwort des Jahres muss:</p>



<p>&#8211; gegen die Menschwürde verstoßen.</p>



<p>&#8211; gegen Demokratieprinzipien verstoßen.</p>



<p>&#8211; diskriminieren oder stigmatisieren.</p>



<p>&#8211; irreführend bzw. euphemistisch sein.</p>



<p>Über diese vier Grundlagen hinweg müssen die Einsendungen gemäß der Webseite des Vereins auch „geäußert worden, eine gewisse Aktualität besitzen und der Äußerungskontext bekannt“ sein. Wenn Wörter diesen Ansprüchen genügen, beginnt die Jury ihre Tätigkeit und diskutiert darüber, ob und wann ein Wort Unwort des Jahres sein sollte. Die Bekanntgabe findet schließlich durch eine Pressekonferenz im Januar eines jeden Jahres statt.</p>



<p>Betrachtet man nun diese vier Kategorien, stellt man fest, dass diese keine klar definierten Regeln haben, sondern diskursbedürftig sind. Der Ausdruck <em>Gamechanger</em> wird in meinem Alltagsgebrauch eher situativ und apolitisch verwendet. Sollte bei einer Partie Mensch ärgere Dich nicht mein letzter Spielstein kurz vorm Zielfeld geschlagen werden, dann ist das für mich ein <em>Gamechanger</em>, denn diese Aktion wirft mich vor eine veränderte Herausforderung. Der sicher geglaubte Sieg rückt in weite Ferne, aber außer, dass ich mich ärgere, hat das ganze weder stigmatisiert, noch war es ein undemokratisches Verhalten.</p>



<p>Aktualität ist ein Betrachtungsmerkmal, das aktiv gegen den <em>Stolzmonat</em> spricht. Zwar war die ganze Kampagne ein Projekt, das aktiv gegen eine Menschengruppe gerichtet war und inhaltlich demokratiefeindliches Gedankengut propagiert hat. Gemäß des <a href="https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/author/komprex/" target="_blank" rel="noopener">Kompetenznetzwerks Rechtsextremismusprävention</a> handelt es sich bei dem Wort jedoch nicht um eine organische Schöpfung, sondern um einen Fall von Astroturfing, also eine künstlich erzeugte Bürger:innenbewegung. Entsprechend ist das Interesse und Auftreten des Begriffs zumindest in meiner Wahrnehmung auch relativ schnell wieder abgeflacht. Übrig geblieben sind vereinzelte Profilbilder der deutschen Flagge in sieben Farbunterstufen.</p>



<p>Aber kehren wir zurück zu den besten Begriffen für 2023. <em>Sozialklimbim</em> reiht sich hinter dem Vorjahresbegriff der <em>Gratismentalität</em> ein, jedoch war dieses Mal nicht FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner dafür verantwortlich, sondern der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler. Die Idee ist die gleiche: Beide Politiker verstehen sich als Mitglieder der Lobby der besserverdienenden Gesellschaftsteile. </p>



<p>Und diese haben meiner Meinung nach ein Anrecht darauf, dass ihre Meinung vertreten wird. Jedoch haben jene, welche von Armut gefährdet werden, ebenfalls ein Anrecht darauf, in der Regel aber eine viel schwächere Lobby. Dazu werden sie durch den Begriff des <em>Sozialklimbims</em> diffamiert. Dabei meint gerade dieser Begriff eigentlich die Kindergrundsicherung, also die Gewährleistung, dass jedes Kind die Möglichkeit erhalten kann, am Leben teilzuhaben. So sollen eigentlich vom „Sozialklimbim“ der Kindergrundsicherung etwa Schulbücher und Klassenfahrten subventioniert werden.</p>



<p>Der zweite Ausdruck, der in der engeren Auswahl stand, war der der <em>Heizungs-Stasi</em>. Die logisch naheliegendste Erklärung wäre der Gaszähler in unserer Wohnung, der genau mitzählt, wie viel Gas wir im Winter verheizen, jedoch ist mit dem Begriff etwas Anderes gemeint. Der Begriff bezieht sich auf einen Gesetzesentwurf von Robert Habeck, laut dem durch Wärmepläne besser geplant werden sollte, wie in einem gewissen Gebiet geheizt wird. </p>



<p>Der Ausdruck selbst wurde unter anderem vom Vorsitzenden der CDU Thüringen, Mario Voigt, geprägt. Dieser kritisierte damit aber vermutlich aus Versehen die regierenden CDU Landtagsfraktionen in Hessen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg, da diese bereits vor dem Gesetzesentwurf von Robert Habeck die Wärmepläne auf Landesebene gefordert und verabschiedet hatten (Kurze Zeit später kam auch noch die CDU NRW dazu). Die unreflektierte Selbstkritik an seinen Parteimitgliedern ist jedoch ein Selbstläufer geworden.</p>



<p>Damit kommen wir zum magischen Wort der <em>Remigration</em>. Remigration ist etwas, das es schon früher gab. Damit ist aber nicht gemeint, dass die AfD-Vorsitzenden von Sachsen-Anhalt, Martin Reichhardt (aus Niedersachsen), oder Brandenburg, Birgit Bessin (aus Rheinland-Pfalz), in ihre westdeutschen Heimatverbände geschickt werden sollen. Stattdessen gibt es sogar noch Klärungsbedarf bei jenen, die diesen Begriff prägen. Der Begriff ist dabei keine spontane Neuschöpfung, wie beispielsweise <em>Heizungs-Stasi</em> oder <em>Sozialklimbim.</em> </p>



<p>Bernd Höcke allein hat den Begriff bereits 2018 in seinem Buch verwendet. Gemeint ist damit die Rückführung von Menschen in ihre vermeintlichen Heimatländer. Für den Ausländer Martin Sellner trifft dies auch auf „nicht assimilierte Staatsbürger“ zu. Das heißt im Beispiel, dass der fiktive Nachbar Paul im beschaulichen Seelbach im Schwarzwald mit seinen Eltern aus Dormagen als nicht „deutsch genug“ angesehen wird, und, obwohl er in Deutschland geboren ist, genau wie seine Eltern, trotzdem des Landes verwiesen wird, weil seine Großeltern nicht hier, sondern in <a href="https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&amp;sca_esv=6f385edbb76f958f&amp;sxsrf=ACQVn0_cM4oAwo85N24HuVsoCk1xLuITvw:1707963849865&amp;q=Yaound%C3%A9&amp;stick=H4sIAAAAAAAAAONgVuLUz9U3MKw0tUh5xGjCLfDyxz1hKe1Ja05eY1Tl4grOyC93zSvJLKkUEudig7J4pbi5ELp4FrFyRCbml-alHF4JAEfoJMdPAAAA&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwitub2UpayEAxXRgf0HHShmDVIQzIcDKAB6BAgWEAE" target="_blank" rel="noopener">Yaoundé</a> (Kamerun) geboren wurden. Und dann landet er in einem Land, dessen Sprache er nicht spricht, dessen Kultur er nicht wirklich kennt, aber Martin Sellner darf seiner eigenen Meinung nach in Deutschland bleiben. </p>



<p>Seiner vermeintlichen Definition nach ist er ausreichend assimiliert und muss nicht zurück in sein Heimatland Österreich (dessen Staatsangehöriger er immer noch ist). Migration beschreibt eine natürliche Wanderung, wie sie gerade bei Zugvögeln sehr gängig ist. Re bedeutet einfach nur zurück. Also kann rein von der Idee des Wortes unser Nachbar Paul nicht „remigriert“ werden; außer wir sprechen von Dormagen. Stattdessen wird der Begriff in einen Frame &#8211; also einen sprachlichen Rahmen &#8211; gepackt, der dem Begriff eigentlich nicht eigen wäre. Wenn jemand Paul aus Seelbach vorwerfen würde, gehe dahin, wo du herkommst, wird sicherlich nicht Dormagen gemeint sein. Stattdessen wird dabei der Begriff <em>Remigration</em> genutzt, aber der Frame ist deckungsgleich mit dem Begriff der <em>Abschiebung</em>.</p>



<p>Für <a href="https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/author/robertluedecke/" target="_blank" rel="noopener">Robert Lüdecke</a>, Pressesprecher der Amadeu Antonio Stiftung, ist wichtig, dass Begriffe wie <em>Remigration</em> nicht einfach nur wiederholt werden. Stattdessen schreibt er, dass man immer klar benennen müsse, worin die wahre Bedeutung des Begriffs der <em>Remigration,</em> also der Abschiebung von teilweise willkürlich definierten Menschengruppen, liege.</p>



<p></p>



<p><strong>Glossar</strong><br>Kooptiert: Selbstergänzungs- oder Zuwahl. Ein zahlenmäßig begrenzter Kreis von Personen ergänzt oder erweitert sich in eigener Kompetenz um Neumitglieder.</p>



<p>Astroturfing: politische Public-Relations- und kommerzielle Werbeprojekte, die darauf abzielen, den Eindruck einer spontanen Graswurzelbewegung vorzutäuschen. Ziel ist es dabei, den Anschein einer unabhängigen öffentlichen Meinungsäußerung über Politiker, politische Gruppen, Produkte, Dienstleistungen, Ereignisse und Ähnliches zu erwecken, indem das Verhalten vieler verschiedener und geographisch getrennter Einzelpersonen zentral gesteuert wird.</p>



<p>Framing: der meist bewusst gesteuerte Prozess einer Einbettung von Ereignissen und Themen in Deutungsraster und Narrative bzw. Erzählmuster.</p>
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		<title>Drei Fakten, die nicht jede:r kennt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dominik Hechler]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Aug 2024 18:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beitrag]]></category>
		<category><![CDATA[196]]></category>
		<category><![CDATA[Fakt]]></category>
		<category><![CDATA[Fakten]]></category>
		<category><![CDATA[Friendship Paradox]]></category>
		<category><![CDATA[Lychrelnummer]]></category>
		<category><![CDATA[Mathe]]></category>
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					<description><![CDATA[von Dominik Hechler Der vergangene Stromkasten beschäftigte sich mit Adam Ries, einem deutschen Mathematiker aus Oberfranken. Einiges dazu habt ihr ja bereits beim letzten Stromkasten des Monats 07/2024 gelesen, aber hier nochmal eine kleine Wiederholung:Die Hochzeit seiner mathematischen Tätigkeit hatte Adam Ries im erzgebirgischen Annaberg. Seine ersten beiden Mathebücher erschienen jedoch zwischen 1518 und 1522 [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>von Dominik Hechler</p>



<p>Der vergangene Stromkasten beschäftigte sich mit Adam Ries, einem deutschen Mathematiker aus Oberfranken. Einiges dazu habt ihr ja bereits beim letzten <a href="https://powerboxart.de/stromkasten-des-monats-07-2024" data-type="link" data-id="https://powerboxart.de/stromkasten-des-monats-07-2024">Stromkasten des Monats 07/2024</a> gelesen, aber hier nochmal eine kleine Wiederholung:<br>Die Hochzeit seiner mathematischen Tätigkeit hatte Adam Ries im erzgebirgischen Annaberg. Seine ersten beiden Mathebücher erschienen jedoch zwischen 1518 und 1522 in Erfurt, wo der besagte Stromkasten des Monats steht. Heute kennen wir ihn vor allem für das Sprichwort „Rechnen nach Adam Riese“, auch wenn der Mathematiker selbst eigentlich nur Adam Ries hieß.</p>



<p>Aber in Gedenken an den großen Mathematiker werden wir uns heute drei spannende Fakten der Mathematik anschauen. Ich verspreche auch, dass jeder Fakt einfacher ist als der vorherige!</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-align-center">196 &#8211; Eine Lychrelnummer?</h2>



<p>Man geht davon aus, dass nahezu jede Zahl mit sich selbst, aber invertiert, addiert nach x Wiederholungen ein Palindrom ergibt. Als Beispiele würde ich hier die 26, 31 und 57 benutzen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="770" height="541" src="https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Black-And-White-Minimalist-Math-Formula-Blank-Paper-A4-Document.png?resize=770%2C541&#038;ssl=1" alt="Es werden die folgenden drei Rechnungen dargestellt: 26 + 62 = 88 31 + 13 = 44 57 + 75 = 132 + 231 = 363" class="wp-image-1293" srcset="https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Black-And-White-Minimalist-Math-Formula-Blank-Paper-A4-Document.png?resize=1024%2C719&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Black-And-White-Minimalist-Math-Formula-Blank-Paper-A4-Document.png?resize=300%2C211&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Black-And-White-Minimalist-Math-Formula-Blank-Paper-A4-Document.png?resize=768%2C539&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Black-And-White-Minimalist-Math-Formula-Blank-Paper-A4-Document.png?resize=1536%2C1079&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Black-And-White-Minimalist-Math-Formula-Blank-Paper-A4-Document.png?resize=2048%2C1439&amp;ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Black-And-White-Minimalist-Math-Formula-Blank-Paper-A4-Document.png?resize=600%2C421&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Black-And-White-Minimalist-Math-Formula-Blank-Paper-A4-Document.png?w=2310&amp;ssl=1 2310w" sizes="(max-width: 770px) 100vw, 770px" /></figure>



<p>Wie man erkennen kann, brauchen die 26 und die 31 jeweils nur eine Addition aka Iteration, um ein Palindrom zu bilden. Wenn man die 57 mit der 75 addiert, erhält man jedoch 132, was als solches noch kein Palindrom darstellt. Betreibt man dieses Spiel jedoch weiter, so bekommt man mit der 132 ein Palindrom heraus. Also braucht die 57 zwei Iterationen.</p>



<p>Die aktuelle Vermutung besagt, dass es 13 Lychrel-Zahlen zwischen 1 und 1000 gibt. Hier bekommt man aber ein Beweisproblem. Niemand hat bisher bis ins Unendliche beweisen können, dass für diese dreizehn Zahlen keine Palindrombildung möglich ist.</p>



<p>Dabei gibt es jedoch zwei Zahlen, die besonders spannend sind. Zum einen die Zahl 196 und zum anderen die Zahl 879. Denn am Ende gibt es exakt zwei Gruppen von potentiellen Lychrel-Zahlen unter 1000. Die 879 und ihre Invertierung 978 – die automatisch bei der ersten Iteration beide auf 1.857 kommen und dann gemeinsam weiter hoch addieren. Die anderen elf Zahlen sind allesamt nach n Iterationen deckungsgleich mit der 196. Diese ist nach drei Iterationen eine 7346. Das gleiche gilt für die 394. Die 689 erreicht das Ergebnis bereits nach zwei Iterationen.</p>



<p>Dabei ist die 196 die am besten untersuchte potentielle Lychrelnummer, da sie auch die kleinste potentielle Lychrelnummer ist. Die 196 wurde dabei bisher so oft mit ihrer Invertierung addiert, dass man eine Zahl mit über 14.000.000 Ziffern erreicht hat, ohne jedoch ein Palindrom zu bilden. Würde man diese Zahl in Schriftgröße 12 in einer Reihe abdrucken, so wären wir bei einer Länge von über 59.200 Kilometern, fast anderthalb Erdumrundungen.<br><strong>Bonusfakt</strong>: <em>Das Wort Lychrel hat nichts mit einer Person Lychrel zu tun, stattdessen ist es ein „ungefähres Anagramm“ des Namens Cheryl, der damaligen Freundin des Mathematikers Wade Van Landingham, der die Zahlen Lychrelzahlen nannte.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Das Freundschaftsparadox oder warum wir wenig Freunde haben</strong></h2>



<p>Gemäß dem Soziologen Scott L. Feld gibt es das sogenannte Friendship Paradox. Dieses besagt, dass die eigenen Freund:innen im Durchschnitt immer mehr Freund:innen haben als man selbst. Natürlich kann es dabei immer auch Menschen geben, bei denen dies nicht so ist, aber in einer statistischen Betrachtung würden mehr Menschen feststellen, dass ihre Freund:innen mehr Freund:innen haben als sie als umgekehrt.<br><br>Wenn man sich das anschaut, scheint es möglicherweise kontraintuitiv. Aber die Idee ist eigentlich relativ simpel. Es ist wahrscheinlicher, dass wir Menschen kennen, die ein großes soziales Umfeld haben, da es schwerer ist, mit Menschen mit kleinem sozialen Umfeld in Kontakt zu kommen.</p>



<p><br>Das lässt sich aber auch auf andere Attribute des Systems übertragen. Im Fitnessstudio trifft man im Durchschnitt eher auf Menschen, die fitter sind als man selbst; schließlich sind dort vor allem Menschen, die regelmäßig anwesend sind. In der Bibliothek trifft man auf Menschen, die im Durchschnitt belesener sind als man selbst, denn sie lesen meist mehr in der Bibliothek.</p>



<p>Diese Feststellungen und Vergleiche können dabei sehr negative Folgen haben, denn sie geben uns manchmal das Gefühl, dass wir schlechter/weniger sind als andere Personen. Man muss aber versuchen, auch die positiven Aspekte zu erkennen. Zum Beispiel hilft es gemäß einer Studie von Nicholas A. Christakis und James H. Fowler die Verläufe von Epidemien mit sozialen Netzwerken und Ansätzen des Friendship Paradox zu erklären.</p>



<p>Außerdem sei dazu gesagt, auch wenn unsere Freund:innen mehr soziale Kontakte haben als wir, heißt es nicht, dass diese sozialen Kontakte auch qualitativ hochwertiger sind.</p>



<p><strong>Bonusfakt</strong>: <em>Mit etwas Transferleistung lässt sich das Friendship Paradox auch auf die Deutsche Bahn übertragen. Generell wirken Züge eher überlastet als unterlastet – Der Grund dafür ist dabei ziemlich simpel. Es gibt deutlich mehr Menschen, die den vollen Zug miterleben und davon berichten werden, als es Menschen gibt, die davon erzählen können, wie leer ein Zug war.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Der Gedankenleser</strong></h2>



<p>Hier muss man mitspielen, um zu verstehen:<br><br>Liebe:r Leser:in, suchen Sie sich eine Zahl zwischen 1 und 9 aus.<br>Multiplizieren Sie diese Zahl dann bitte einmal mit der Zahl 9.</p>



<p>Danach berechnen sie die Quersumme ihrer Zahl.</p>



<p>Nun ziehen sie 3 von der Zahl ab, bei der sie aktuell angekommen sind.<br>Sie haben nun eine finale Zahl. Und wie viele wissen, sind Zahlen nichts anderes als Obst.<br>Wenn Sie Ihre Zahl in einen Buchstaben umwandeln und dafür das Muster A=1, B=2, C=3, etc. verwenden, dann erhalten sie einen Buchstaben.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="770" height="544" src="https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Alphabet-Numerals.png?resize=770%2C544&#038;ssl=1" alt="A = 1; B = 2; C = 3; D = 4; etc." class="wp-image-1298" srcset="https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Alphabet-Numerals.png?resize=1024%2C724&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Alphabet-Numerals.png?resize=300%2C212&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Alphabet-Numerals.png?resize=768%2C543&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Alphabet-Numerals.png?resize=1536%2C1086&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Alphabet-Numerals.png?resize=600%2C424&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/08/Alphabet-Numerals.png?w=2000&amp;ssl=1 2000w" sizes="(max-width: 770px) 100vw, 770px" /></figure>



<p>Nun bitte ich Sie, dass sie an ein Obst denken, welches mit diesem Buchstaben beginnt.</p>



<p>Haben Sie eines gefunden ohne zu googlen? Wenn ja, dann vermute ich, dass es das Obst hinter diesem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Feigen" data-type="link" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/Feigen" target="_blank" rel="noopener">Wikipedia-Artikel</a> ist.</p>



<p>Die Quersumme einer Zahl, welche man mit dem Wert 9 multipliziert hat, ergibt immer 9 oder ein Vielfaches davon. Wenn man also so viele Iterationen an Quersummen ansetzt, dass immer eine Ziffer herauskommt, dann erhält man immer den Wert 9. Das bedeutet, dass man auch eine Zahl zwischen 1 und 359.591.255.351 hätte wählen lassen können. Dabei wäre die Quersumme 54 und die Quersumme aus 54 wäre die 9. Da Sie dann die 3 abgezogen haben, haben sie automatisch die Zahl 6 errechnet – also den Buchstaben F. Und da ist die Feige mit einer hohen statistischen Wahrscheinlichkeit die häufigste Antwort.</p>



<p><strong>Bonusfakt</strong>: <em>Es gibt natürlich auch andere Obstsorten mit F wie zum Beispiel die Feijoa, welche man hier zu Lande auch manchmal unter „Brasilianische Guave“ findet. Auch die Felsenbirne wäre eine Option, falls man mal ein Obst mit F für Stadt-Land-Fluss sucht.</em></p>
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		<title>Zum 01. Mai.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dominik Hechler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 May 2024 11:59:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beitrag]]></category>
		<category><![CDATA[01.]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>
		<category><![CDATA[Mai]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein kleiner Überblick von Dominik Hechler Am 01.05.1856 kam es zu Massendemonstrationen in Australien, bei denen sich die australischen Arbeitnehmer:innen für den Acht-Stunden-Tag einsetzten. 30 Jahre später folgten dann, ebenfalls am 01.05., auch die Menschen in den USA diesem Protest. Dieser Arbeitskampf in den USA wird oft als Grundlage für den Maifeiertag genannt. In den [&#8230;]]]></description>
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<p>Ein kleiner Überblick von Dominik Hechler</p>



<p><br>Am 01.05.1856 kam es zu Massendemonstrationen in Australien, bei denen sich die australischen Arbeitnehmer:innen für den Acht-Stunden-Tag einsetzten. 30 Jahre später folgten dann, ebenfalls am 01.05., auch die Menschen in den USA diesem Protest. Dieser Arbeitskampf in den USA wird oft als Grundlage für den Maifeiertag genannt. In den USA ist dieser Protest als „Haymarket Riot“ oder „Haymarket Affair“ bekannt. Auf dem Heumarkt in Chicago, Illinois, rief der aus Hessen stammende deutsch-amerikanische Journalist August Spies zu einem Streik der Arbeiter:innen auf. Das Datum wurde gewählt, da zum 01.05. oft die Arbeitsverträge mit Arbeiter:innen beendet wurden, wodurch es zum „moving day“ kam. Diese Bezeichnung bezieht sich darauf, dass viele Arbeiter:innen an Orte umzogen, an denen sie sich neue Arbeit erhoffte um oder schon gefunden hatten.</p>



<p>Während der „Haymarket Affair“ kam es zu Fehlverhalten der Polizei, die am 03.05. insgesamt sechs Menschen erschoss, und eine unbekannte Anzahl verletzte. Am darauffolgenden Tag explodierte schließlich eine Bombe in der Menschenmenge, durch die nochmal mindestens elf weitere Menschen starben.</p>



<p>Unter den Opfern waren Demonstrant:innen, aber auch Polizisten. Zwar ist auch heute nicht bekannt, wer bzw. welche Person:en hinter der Bombe steckten, jedoch hielt das niemanden davon ab, Arbeitnehmer:innen wie August Spies zum Tode zu verurteilen. Jahre nachdem vier Menschen gehängt wurden, stellte der Gouverneur von Illinois klar, dass diese Urteile zu Unrecht gefällt worden waren, da nie eine Beteiligung, geschweige denn ein Mitwissen der Demonstrationsveranstalter:innen nachgewiesen werden konnte. Während es bereits vor 1886 Stimmen für einen Acht-Stunden-Tag gab und Henry Ford diesen schon 1914 bei Ford durchsetze, sollte es für die gesetzliche Verankerung noch bis 1938 dauern. Aber seit dem „Haymarket Riot“ protestierten die amerikanischen Arbeitnehmer:innen jährlich für ihre Rechte.<br>Im Jahr 1919 kam es schließlich zum ersten Mal zum Maifeiertag in Deutschland. Teile der Zentrumspartei, die SPD und die DDP sezten sich stark für diesen Feiertag ein. Der langfristige Termin sollte noch festgelegt werden, und sich nur im Jahr 1919 auf den 01. Mai berufen. Jedoch führte auch diese Arbeiter:innenbewegung zu einem innerlichen Konflikt der politischen Linken. Nachdem vor allem kommunistische Strömungen auch nach 1919 jährlich für Arbeitnehmer:innenrechte demonstrierten, verhängte schließlich im Jahr 1929 der Berliner Polizeichef und SPD-Politiker Karl Zörgiebel Versammlungsverbote für Berlin, da er Auseinandersetzungen zwischen Kommunist:innen und Nationalsozialist:innen befürchtete. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die bis zum 03.05.1929 zu 33 Toten führten. Heute hört man öfter, dass der Tag der Arbeit auf die NS-Zeit zurück gehe. Dies stimmt nur bedingt, da es von 1920 bis 1932 zwar keinen Feiertag am 01.05. gab, aber dies bereits 1919 der Fall war, und der Tag der Arbeit seit 1933 am 01.05. in Deutschland stattfindet. </p>



<p class="has-text-align-left">In Österreich war der 01.05. bereits seit 1890 der Tag, an dem die Wiener Arbeiterschaft im Wiener Prater und später an der Ringstraße zu Kundgebungen aufrief. Ab 1919 wurde er schließlich ein fester Feiertag, der während des Austrofaschismus der 30er Jahre jedoch pausierte, und 1949 in der österreichischen Verfassung wieder fest verankert wurde. In der Schweiz ist der 01. Mai regional und lokal geregelt, so ist er zum Beispiel im Kanton Zürich ein Feiertag, in Tessin ein Ruhetag, in Solothurn ein halber Feiertag und in St. Gallen bekommt nur der öffentliche Dienst einen halben Tag frei. In Bern gilt er nur für zwei Städte, und in Luzern feiern manche Gemeinden einen Feiertag aus kirchlichen Gründen.</p>



<p class="has-text-align-left">Wichtig ist hierbei aber auch, dass er nicht nur in den USA, Australien und dem DACH-Bereich ein Feiertag ist. In Europa ist der 01.05. unter anderem. auch in Griechenland, Schweden, Slowenien und Polen ein Feiertag als Tag der Arbeit, in Frankreich als Fest der Arbeit, in Bulgarien als Tag der Arbeit und der internationalen Arbeitersolidarität. Das gleiche gilt aber auch für China, Costa Rica, Ruanda, Syrien, Kambodscha, Chile, Argentinien, Tunesien, Indien und Mosambik. Zu erwähnen ist hier auch, dass der Tag der Arbeit am ersten Montag im September in den USA und Kanada, sowie am letzten Montag im Oktober in Neuseeland oder am 23.11. in Japan gefeiert wird. Aber am 01. Mai haben inzwischen weit mehr als die Hälfte der Menschheit aufgrund des Tags der Arbeit, entsprechend also dem Internationalen Tag der Arbeit, frei.E</p>



<p class="has-text-align-left">Die Tatsache, dass mehr als sechs Milliarden Menschen den ersten Mai als Tag der Arbeit feiern, geht darauf zurück, dass der VI. Internationale Sozialistenkongress im Jahr 1904 den 01.05. zum Internationalen Tag der Arbeit ausgerufen hat. Bei diesem Treffen in Amsterdam waren 476 Delegierte anwesend, darunter Rosa Luxemburg (für Österreich), August Bebel (für Deutschland), Sen Katayama (für Japan) oder Jean Jaurès (für Frankreich). </p>



<p class="has-text-align-left">Das Besondere, das dabei auffällt, ist meiner Meinung nach nicht, dass die meisten Staaten sich auf einen primär sozialistischen-, beziehungsweise gewerkschaftlichen Feiertag einlassen, sondern dass es einen Feiertag gibt, der von der Weltbevölkerung mehrheitlich gefeiert wird. Online findet man bei einer schnellen Google Suche oft, dass Weihnachten der meist gefeierte Feiertag sei. Dieser wird jedoch weder in Pakistan noch in China offiziell gefeiert; zwei der fünf größten Länder der Welt, diee beide den Internationalen Tag der Arbeit zelebrieren. Manchmal mag man das Gefühl haben, dass in der heutigen Zeit mit militärischen Konflikten und Kriegen in Mali, der Ukraine/Russland, Israel/Palästina und dem Sudan die Welt sich so uneinig sei wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Nur am 01.05. rufen die meisten Länder der Welt zum Niederlegen der Arbeit und zum Kampf der Arbeitnehmer:innen für ihre Rechte auf.</p>



<p></p>



<p class="has-text-align-left">Darum wünsche ich euch einen schönen Maifeiertag!</p>
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		<title>Kurzsichtigkeit: Was man mit minus 15 Dioptrien sieht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Leonie Wiegel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Mar 2024 14:09:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beitrag]]></category>
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					<description><![CDATA[Vom Sehen, Nicht-Sehen und Nicht-gesehen-werden Ein Rauschen nähert sich. Zwei große, hellgelbe, sich überlappende Kreise kommen von links auf mich zu, werden immer größer. Ein Auto. Ich warte, bis es vorbeigefahren ist. Und jetzt? Ich muss über diese Straße, anders komme ich nicht ins Hotel. Zumindest nicht mit meinen begrenzten Ortskenntnissen von Mühlheim und der [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Vom Sehen, Nicht-Sehen und Nicht-gesehen-werden</h2>



<p>Ein Rauschen nähert sich. Zwei große, hellgelbe, sich überlappende Kreise kommen von links auf mich zu, werden immer größer. Ein Auto. Ich warte, bis es vorbeigefahren ist. Und jetzt? Ich muss über diese Straße, anders komme ich nicht ins Hotel. Zumindest nicht mit meinen begrenzten Ortskenntnissen von Mühlheim und der Routenplanung von Google Maps. </p>



<p>Ich schaue in die abendliche Dämmerung und versuche in der Kombination aus dunkel- und hellgrauen Tupfern eine Struktur zu erkennen. Bis wohin geht die Straße, wo kann ich gefahrlos stehen bleiben? In meiner Nähe scheint niemand zu sein, den ich ansprechen kann. Mein Puls steigt, in meinem Hals wird etwas eng.</p>



<p>„Aber ist das nicht gefährlich für dich?“ schreibt mir einen Abend zuvor eine Freundin. Gefährlich? Ich zucke mit den Schultern und schreibe, dass ich aufpassen werde, dass ich Autos und Ampellichter ja erkenne, und dass ich Menschen um Hilfe fragen kann. Das soll der Kern meines Experiments sein: mein Bedürfnis nach Autonomie herausfordern, mich bewusst in eine Situation bringen, in der ich Hilfe brauche.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ab wann ist man blind?</h3>



<p>Meine Kurzsichtigkeit verdanke ich erblich gesehen meinem Vater. Sturköpfig wie ich bin musste ich seine minus acht Dioptrien um fast das Doppelte toppen: Mein schlechteres Auge liegt aktuell bei über minus 15. Das können sich viele Menschen schlecht vorstellen. „Bist du dann blind?“ werde ich oft gefragt. Nein, bin ich nicht. </p>



<p>Nach deutschem Recht gilt als sehbehindert, wer trotz Brillen- oder Kontaktlinsenkorrektur nur auf 30 Prozent Sehschärfe kommt. Blindheit fängt demnach bei weniger als 2 Prozent an. Mit Brillengläsern, dick wie zwei Zwei-Euro-Münzen, oder Kontaktlinsen, teuer wie ein Monat WG-Miete, komme ich auf nahezu 100 Prozent, darf Auto fahren und fühle michkaum eingeschränkt.</p>



<p>Aber es ist eben nur eine mehr oder weniger dünne Schicht Kunststoff, die die scharfe von der unscharfen Welt trennt. Ein kleiner Unfall und meine Autonomie, wie ich sie kenne, wäre dahin. Oder eben ein kleines Selbstexperiment.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hilfsbereite bunte Farbtupfer</h3>



<p>Ich habe es auf eine kleine Verkehrsinsel geschafft. Jetzt kommen die Kreise, diesmal in Weiß, von rechts. Kann ich einfach geradeaus laufen, wenn ich nirgendwo leuchtende Kreise sehe? Stehe ich dann auf einem sicheren Fußgängerweg? Oder auf einer Nebenstraße, einem Radweg, vor einem Zaun? Ich sehe es nicht in der schwarz-blauen Aquarellwelt mit den weichen Farbübergängen vor mir. Und verdammt noch mal, weit und breit niemanden, der mir helfen kann.</p>



<p>Ganz anders als in dem Einkaufszentrum, aus dem ich komme. Überall tummeln sich dort diese bunten Farbtupfer mit einem hautfarbenen Ton im oberen Drittel. Zum ersten Mal überwinde ich mich im Drogeriemarkt einen davon anzusprechen. Er stellt sich als junge Frau heraus,die mir mit sanfter, warmer Stimmeerklärt, in welchen Regalen Duschgel und Shampoo stehen. Am Ende des kurzen Gesprächs spüre ich ein gezieltes zartes Drücken an meinem Arm, wie ein respektvolles Abschiedslächeln. </p>



<p>Solange ich mit Menschen spreche, ist alles so freundlich-distanziert wie immer. Nur wenn wir schweigen, fühle ich mich von ihnenabgekapselt, wie in zwei verschiedenen Welten. Und ich genieße es. Keine Blicke, die mich irritieren. Kein Handy beim Essen. Keine Vorurteile aufgrund von Äußerlichkeiten. Nur ich, mein gebratener Reis und meine Welt aus bunten Wattebäuschen. Ich bin bei mir, meinen Gedanken und Sinneseindrücken und genüge mir selbst.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Nichts zu sehen kann auch helfen</h3>



<p>So sehr mich diese Sicht auf die Welt an verschlafene Sonntagmorgen im warmen Bett erinnert, so sehr stresst sie mich bei dem Versuch, sicher eine Straße ohne Ampel und Zebrastreifen zu überqueren. Endlich stehe ich an einer hellen Linie, die sich in der Ferne auflöst, und die ich als Brücke, autofrei und damit weitestgehend harmlos, identifiziere. Unter der Plastikschicht meiner Jacke staut sich die Hitze meines Körpers, ich atme tief durch.Schon am Morgen, mit Brille, habe ich etwas gezittert, als ich die Brücke überquerte.</p>



<p>Die Kombination aus Höhe, fahrenden Autos unter mir und Wind macht mich oft nervös. Jetzt also auch noch, ohne genau zu erkennen, was um mich herum passiert. Auf das Schlimmste gefasst laufe ich los.Und es passiert – nichts. Ich richte meinen Blick auf einen der gelben Lichtbälle in der Ferne, in dessen Inneren Punkte und Fäden tanzen, ein vertrauter Anblick. Mit sicheren Schritten und einem leichten Gefühl in der Brust gehe ich bis ans Ende der Brücke. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Durch meine Kurzsichtigkeit werde ich immer abhängig sein</h3>



<p>Als ich ohne Google Maps erkenne, wo ich bin und wohin ich muss, steigt die Leichtigkeit aus meiner Brust in den Kopf und erfüllt mich mit Euphorie. Ich habe es geschafft. Allein. Selbstständig. Und weiß doch, wie abhängig ich immer sein werde. Von einem Stück Plastik vor meinen Linsen. Meinem Handy. Oder der Anwesenheit freundlicher Menschen. </p>



<p>Im Bett, dort wo die impressionistische Aquarellwelt hingehört, wo sie mich auf Ruhe und Innenschau einstimmt, denke ich nach: Sind meine Augen ein Mangel, ein Defizit, das möglichst behoben gehört? Der Gedanke, nach einer Operation immer scharf zu sehen, irritiert mich. Er beraubt mich einer Welt, die nur mir gehört. Einer Welt, in der ich mal mehr, manchmal aber auch weniger Angst habe als sonst. Vielleicht bin nicht ich falsch, sondern meine Umgebung passt nicht immer zu mir.So geht es Menschen mit einer Behinderung wahrscheinlich oft. Ich bin dankbar für die Möglichkeit, zwischen zwei Welten entscheiden zu können.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="770" height="578" src="https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/03/IMG_20240220_094252-1024x768.webp?resize=770%2C578&#038;ssl=1" alt="Die Straße, die mich ohne Brille fast zum Aufgeben gebracht hat." class="wp-image-1234" srcset="https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/03/IMG_20240220_094252-scaled.webp?resize=1024%2C768&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/03/IMG_20240220_094252-scaled.webp?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/03/IMG_20240220_094252-scaled.webp?resize=768%2C576&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/03/IMG_20240220_094252-scaled.webp?resize=1536%2C1152&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/03/IMG_20240220_094252-scaled.webp?resize=2048%2C1536&amp;ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/03/IMG_20240220_094252-scaled.webp?resize=600%2C450&amp;ssl=1 600w, https://i0.wp.com/powerboxart.de/wp-content/uploads/2024/03/IMG_20240220_094252-scaled.webp?w=2310&amp;ssl=1 2310w" sizes="(max-width: 770px) 100vw, 770px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Straße, die mich ohne Brille fast zum Aufgeben gebracht hat.</figcaption></figure>



<p><em>Für diese Reportage habe ich ein <a href="https://powerboxart.de/bist-du-dann-eigentlich-blind">bereits auf diesem Blog beschriebenes Selbstexperiment v</a>erschärft wiederholt. Außerdem habe ich in der Zwischenzeit ein wenig Reportage-Training gehabt&#8230;</em></p>
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		<title>Diego Félix von Österreich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dominik Hechler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Nov 2023 02:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beitrag]]></category>
		<category><![CDATA[Adel]]></category>
		<category><![CDATA[Diego]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[König]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Royals]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Dominik Hechler Vergangenen Monat hatten wir den Stromkasten zum Monat des Diego. Heute stelle ich euch einen besonderen Diego vor: Diego von Österreich. Er war Mitglied der österreichischen königlichen Familie und eine interessante Persönlichkeit in der Geschichte Spaniens. Dieser Artikel wirft einen genaueren Blick auf das Leben und die Bedeutung von Diego von Österreich. [&#8230;]]]></description>
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<p>Von Dominik Hechler</p>



<p>Vergangenen Monat hatten wir den <a href="https://powerboxart.de/stromkasten-der-woche-kw-43-2023">Stromkasten zum Monat des Diego</a>. Heute stelle ich euch einen besonderen Diego vor: Diego von Österreich. Er war Mitglied der österreichischen königlichen Familie und eine interessante Persönlichkeit in der Geschichte Spaniens. Dieser Artikel wirft einen genaueren Blick auf das Leben und die Bedeutung von Diego von Österreich.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center"><strong>Die Herkunftslinie</strong></h4>



<p>Diego von Österreich wurde am 15. August 1575 in Madrid als Sohn von Philipp II. und Erzherzogin Anna von Österreich geboren. Sein Großvater war der damalige Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Maximilian II. Durch die mütterliche Familienlinie ist er somit ein Mitglied des Hauses Habsburg. Diese Ehe war die erste für seine Mutter, jedoch bereits die vierte seines Vaters König Philipp II. Aus dieser Verbindung entstanden auch einige von Diegos älteren Geschwistern. Im Alter von sechs Jahren verstarb 1578 sein Bruder Ferdinand an einer Dysenterie. Zu diesem Zeitpunkt war Ferdinand der offizielle Thronfolger zum spanischen König. Dieser Titel steht dem Prinz von Asturien zu. Der älteste Bruder, Carlos Lorenzo, verstarb bereits als Kind.</p>



<p>Vor Carlos Lorenzo hieß der Prinz von Asturien Don Carlos. Wem dieser Name vertraut vorkommt, die:der hat nicht Unrecht. Einige kennen vielleicht die <a href="https://amzn.to/3sOhUgM" target="_blank" rel="noopener">Giuseppe Verdi Oper &#8218;Don Carlos&#8216;</a> oder den Roman &#8218;<a href="https://amzn.to/3sOhUgM" data-type="link" data-id="https://amzn.to/3sOhUgM" target="_blank" rel="noopener">Don Karlos, Infant von Spanien&#8220; von Friedrich Schiller</a>. Dieser Don Carlos wurde jedoch wegen mehreren Vorfällen wie Brandstiftung oder dem versuchen Mord an seinem Vater Philipp II. inhaftiert und verstarb wenige Monate nach Haftbeginn im Sommer 1568. Durch die Tode von Don Carlos, Carlos Lorenzo und Ferdinand war  Diego auf ein Mal der älteste Sohn und dadurch spanischer Thronfolger.</p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center">Das Leben</h4>



<p>Am 01.03.1580 war schließlich der Tag, an dem Diego Félix von Österreich zum Prinz von Asturien ernannt wurde. Damit trat er in die Fußstapfen seines verstorbenen Bruders als Thronfolger zum König von Spanien. Das Reichsgebiet des spanischen König erstreckte sich zu diesem Zeitpunkt über die gesamte Iberische Halbinsel, Sizilien, Sardinien und Neapel. Dadurch war es für Philipp II. sehr wichtig, dass Diego Félix nicht nur die spanische, sondern auch die portugiesische Sprache beherrschen sollte. Zwar sind (mir) keine Überlieferungen zu seinen sprachlichen Fähigkeiten bekannt, es gibt aber Briefe des Vaters, laut denen das Kind bereits im Kindergartenalter tanzen konnte und dem Alphabet mächtig war.</p>



<p>Im Jahr 1580 begaben sich Diego Félix Eltern auf eine Reise durch Portugal, die für Anna von Österreich tödlich verlief. Dadurch fiel die Aufgabe der Kinderbetreuung seinen beiden Halbschwestern Isabella und Catherine zu, beide aus dritter Ehe des Königs. Die beiden waren aufgrund der patrilinearen Erbfolge keine legitimen Erben des Königs. Zu Ehren Diego Félix soll der indische Thronfolger ihm einen Elefanten geschenkt und nach Europa geschickt haben. Hier unterscheiden sich jedoch die Übersetzungen einer spanischen Quelle, deswegen gibt es auch die Version, dass Philipp II. beim indischen Thronfolger um einen Elefanten als Geschenk für seinen Sohn gebeten haben soll. </p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center">Warum Diego Félix von Österreich?</h4>



<p>Man kann sich nun fragen, warum ich nicht mehr über Philipp II. oder Don Carlos erzähle. Das hat einen simplen Grund: Philipp II. gilt oft als der bedeutendste und einflussreichste König der spanischen Geschichte. Dadurch gibt es zahlreiche Überlieferungen und <a href="https://amzn.to/3sOhUgM" data-type="link" data-id="https://amzn.eu/d/hh6b6Ou" target="_blank" rel="noopener">Fachliteratur zu seiner Person</a>, ebenso zu Don Carlos. Was also macht die Geschichte von Diego Félix von Österreich so interessant? Die Antwortet lautet: Nichts. Sein Vater ist über die Grenzen Iberiens bekannt, sein Halbbruder eine Ikone der Kunstgeschichte. Der spätere spanische König Philipp III. war sein einziger jüngerer Bruder. Welchen Grund gibt es dann, über Diego Félix zu sprechen?</p>



<p>Diese Woche jährt sich der Tod von Diego Félix von Österreich, einstiger Prinz von Asturien zum 421. Mal. Am 21.11.1572 verstarb der junge Prinz im Alter von sieben Jahren, kaum älter als seine Brüder Ferdinand und Carlos Lorenzo, aber auch nicht alt genug, um vom Prinz von Asturien zum König von Spanien aufzusteigen. Es gbt nicht viel, was man über den jungen Mann berichten könnte. Man könnte es amüsant finden, dass es einen Diego von Österreich gab, oder er als Madrilene den Beinamen &#8222;von Österreich&#8220; statt &#8222;aus Madrid&#8220; trug. Vielleicht bleibt hängen, dass es mal einen mehrsprachigen Prinzen gab, der so gut tanzen konnte, dass sein Vater sich einen Elefanten für ihn gewünscht hat. </p>



<p>Es gibt absolut keinen Grund dafür, die Geschichte von Diego Félix von Österreich zu kennen. Und auch nach längerer Nachforschung hat sich nichts ergeben, was ihn besonders hervorhebt. Aber darin besteht doch das Spannende an seinem Leben. Nicht jeder lebt einen actiongeladenen Hollywoodstreifen, eine glückliche Bollywoodschnulze oder einen düsteren Skandinavierkrimi. Es braucht von Zeit zur Zeit simple Dinge, für die man sich selbst begeistern kann, um das eigene Leben etwas schöner zu gestalten. Dies kann die verschiedensten Formen zu den verschiedensten Zeiten annehmen. In meinem Fall war es dieses Mal der sehr kurze Lebenslauf von Diego Félix von Österreich. </p>



<p></p>



<h4 class="wp-block-heading has-text-align-center">Glossar</h4>



<p><strong>Asturien</strong>: Asturien ist heute eine Region im Norden Spaniens. Im frühen 16. Jahrhundert wurde jedoch der Titel &#8222;Fürst von Asturien&#8220; zum offiziellen Titel des Kronprinzen von Spanien, nachdem die Königreiche Kastilien und Krone von Aragonien vereint wurden.</p>



<p><strong>Patrilinearen Erbfolge</strong>: Patrilinear bedeutet vom Vater abhängig, beziehungsweise im Recht des Vaters stehend. Die meisten Gesellschaften der Welt werden als patrilinear angesehen, darunter auch die europäischen Adelshäuser. Eine in Europa bekanntes Beispiel für ein matrilineares System, also ein von der Mutter abhängiges System, findet man in der Anforderung des Staates Israel zur Anerkennung des jüdischen Glaubens einer Person.</p>



<p><strong>Habsburg</strong>: Die Adelsfamilie Habsburg hat heute weniger Einfluss als noch vor 421 Jahren. 18 der 19 letzten deutschen Könige und Kaiser entstammten dem Hause Habsburg sowie alle Kaiser Österreichs. Heute sind vor allem Amedeo von Belgien als sechster in der belgischen Thronfolge sowie der Fernsehmoderator und Rennfahrer Ferdinand Zvonimir Habsburg-Lothringen.</p>
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		<title>Symptome</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Leonie Wiegel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Oct 2023 18:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beitrag]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich habe diesen Text in den letzten Wochen bestimmt schon zehn- bis zwanzigmal verfasst &#8211; in meinem Kopf. Immer wieder habe ich versucht, meine Beobachtungen, Meinungen und Gedanken zu ordnen. Bei jeder Meldung, jedem Kommentar zu Protestaktionen der Letzten Generation. Als ich einen Flyer von ihnen in die Hand gedrückt bekam. Besonders intensiv als ich [&#8230;]]]></description>
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<p>Ich habe diesen Text in den letzten Wochen bestimmt schon zehn- bis zwanzigmal verfasst &#8211; in meinem Kopf. Immer wieder habe ich versucht, meine Beobachtungen, Meinungen und Gedanken zu ordnen. Bei jeder Meldung, jedem Kommentar zu Protestaktionen der Letzten Generation. Als ich einen Flyer von ihnen in die Hand gedrückt bekam. Besonders intensiv als ich auf den großartigen Podcast <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/hitze-letzte-generation-close-up/94732324/" target="_blank" rel="noopener">Hitze – Close-up Letzte Generation von Daphne Ivana Sagner und Céline Weimar-Dittmar</a> gestoßen bin. Und eigentlich schon, seit ich Anfang des Jahres einen Klimaaktivisten traf. Nicht von der Letzten Generation und nicht daran interessiert, identifiziert werden zu können. Ich wusste, dass er sich im Kampf für den Klimaschutz an Protestaktionen beteiligt hat, die sich mindestens in juristischen Graubereichen befinden, sich beispielsweise von Autobahnbrücken abseilte. Nach einem einstündigen Gespräch über seine Motive ergab sich ein Bild, das mir erst einmal ein unbehagliches Gefühl verschaffte: Es ging nicht nur um den radikalen Einsatz gegen das Abholzen von Bäumen, es ging um eine tiefe Abneigung gegenüber dem politischen System. Unserem System, das ins Wanken gebracht werden sollte, und das, indem man seine Regeln herausfordert und bricht. </p>



<p>Eine solche Abneigung gegenüber einem demokratischen System wird schnell gefährlich. Aber auch, wenn ich nicht mit allen Forderungen meines Gesprächspartners übereinstimme, gab es etwas an seiner Frustration, das in mir nachhallte. Diese Frustration, die Erkenntnis, dass wir nicht nur ein mehr oder weniger monokausales Problem haben, wie in vergangenen Krisen, sondern, dass sich eine Super-Krise vor uns auftürmt, die systemisch bedingt ist. Die Beschäftigung mit den Kämpfen und Krisen dieser Zeit geht immer wieder auf die großen Systeme zurück. Und in ihrer in der Menschheitsgeschichte ungekannten Macht schreit die Klimakrise geradezu nach einem Systemwandel. Ich kenne diese Frustration von mir. Ich höre sie aus der Rhetorik der Letzten Generation, sie manifestiert sich in der Verzweiflung das eigene Leben, die eigene Gesundheit und Freiheit zu opfern, um für eine lebenswerte Zukunft zu kämpfen. </p>



<p>Die Frage, ob dies der richtige Weg ist, endet in einem Gestrüpp aus Für und Wider, Was wäre wenn und Was könnte sein. Immer wieder stellt sich die Frage von Zweck und Methoden. Bewährte demokratische Vorgehensweisen stoßen im Angesicht des Zeitdrucks an ihre Grenzen. Wollen wir die Demokratie untergraben, um das Klima zu schützen? Gehen wir als vorbildliche Demokrat:innen in den Fluten unter? Oder schaffen wir es, einen demokratischen Weg aus dieser Krise zu finden? Einen Weg, der noch möglich, aber angesichts politischer Lähmungen auf allen Seiten nicht absehbar ist? </p>



<p>So drehen sich die Gedanken. Bei denen, die ab und an auf Demos gehen, sich neben Job und Uni mal mehr, mal weniger engagieren und Texte über ihre Frustration schreiben. Bei denen, die gar nichts mehr von all dem hören wollen. Und bei denen, die alles aufgeben, um ein Handeln zu erzwingen. All das sind Symptome. Reaktionen auf das Gefühl, dass wirklich alles vor die Wand fährt. Und wenn man aktuell in seinen 20ern ist, dann kennt man in seinem politischen Gedächtnis kaum etwas anderes. Ich habe in den 2000ern in Tierfreund-Magazinen aus den 90ern gelesen, dass die Gletscher schmelzen, und kleine Umweltschutzaktionen mit einem Kumpel organisiert. Unser Motto war: Wir machen die Welt immer ein kleines bisschen besser als wir sie vorfinden. Klar, wir waren hoffnungslos optimistische Kinder, die dachten, mit uns kommt die große Wende, das kann ja nicht so schwer sein. Und dann lernt man Jahr um Jahr, dass wir die Welt schlechter vorgefunden haben als wir uns vorstellen können, und für jeden kleinen Schritt, den wir vorwärts machen, die Erde eine Rolle rückwärts macht. </p>



<p>Diese Einsicht hat auch meine Bekanntschaft aus dem radikalen Klimaaktivismus ereilt. Zum Frust, dass aus dem System selbst kein Fortschritt zu schaffen sei, kam der Frust, dass auch das Übertreten seiner Grenzen nicht zu den großen Änderungen verhelfe, die es so dringend brauche. Man widmet sich also stärker seiner Karriere in der Wissenschaft und kleineren linkspolitischen Projekten, die nicht so kräftezehrend sind, wie das Leben auf Bäumen und Auseinandersetzungen mit Polizist:innen. Resignation. Ja, vielleicht ist die unausweichlich, wenn man erwachsen wird. Der Unterschied zu den Generationen vor uns ist, dass unsere Hoffnungslosigkeit wissenschaftlich begründet ist, und nicht vor der Tür steht, sondern den Fuß schon drin hat. Wenn wir es nicht schaffen, uns angemessen zu verteidigen, laufen wir Jahr um Jahr immer tiefer in das offene Messer. Bis wir nicht mehr laufen.</p>



<p>Das schwebt irgendwie über uns allen, egal, wie wir damit umgehen. Ob die Letzte Generation mit ihren Blockaden auf lange Sicht einen Sieg davon tragen und sich in die Geschichte des erfolgreichen zivilen Ungehorsams einreihen kann oder ob sich ihre Mitglieder in einem aussichtslosen Kampf verheizen und die Gräben in unserer Gesellschaft zu immer mehr Zündstoff führen – all das sind letztendlich nur Symptome einer verzweifelten Situation. Wir müssen die Ursache bekämpfen, damit sich die Symptome nicht verselbstständigen.</p>
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		<title>Zum Geburtstag: Edith Stein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dominik Hechler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Oct 2023 19:32:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beitrag]]></category>
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					<description><![CDATA[von Dominik Die Wahrnehmung nimmt ihren Gegenstand als inhaltlich Ganzes. &#8211; Edith Stein in „Einführung in die Philosophie“, S. 224. Über Edith Stein Edith Stein, geboren am 12. Oktober 1891 in Breslau, ist eine besondere Persönlichkeit für die Geschichte der Philosophie, vor allem in Deutschland. Ihr vielfältiges Leben lässt sich detailgetreu anhand von Briefen, Notizen, [&#8230;]]]></description>
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<p>von Dominik</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die Wahrnehmung nimmt ihren Gegenstand als inhaltlich Ganzes. </p>
<cite>&#8211; Edith Stein in „Einführung in die Philosophie“, S. 224.</cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über Edith Stein</strong></h2>



<p>Edith Stein, geboren am 12. Oktober 1891 in Breslau, ist eine besondere Persönlichkeit für die Geschichte der Philosophie, vor allem in Deutschland. Ihr vielfältiges Leben lässt sich detailgetreu anhand von Briefen, Notizen, aber auch wissenschaftlichen Abhandlungen nachvollziehen. <a href="https://powerboxart.de/stromkasten-der-woche-kw-40-2023">Wie im letzten Stromkasten der Woche zu lesen ist, </a>ist Edith Stein im Alter von 51 Jahren im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau verstorben. Über 50 Jahre später wurde sie von Johannes Paul II. heilig gesprochen. Dieser Nachruf soll aber von ihrem Einfluss auf die Philosophiegeschichte handeln.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Edith Steins wissenschaftlicher Werdegang</h2>



<p>In Edith Steins Jugend gelangen wichtige feministische Durchbrüche in der Philosophie. Als Stein zehn Jahre alt war, promovierte Helene Stöcker als erste Philosophin in Deutschland. 1908 – Edith Stein war 17 Jahre alt &#8211; wurde die Berner Philosophin Anna Tumarkin zur ersten Vollprofessorin Europas. Auch Edith Stein selbst gelang mit ihrer Doktorarbeit im Jahr 1916, die den Titel „Zum Problem der Einführung“ trägt, etwas Beeindruckendes: Sie setzte sich bei der Bewerbung um die Promotionsstelle bei Edmund Husserl gegen einen der größten Philosophen des frühen 20. Jahrhunderts durch: Martin Heidegger. Doch die Habilitation, die sie danach anstrebte, blieb ein Traum. Obwohl sie mit Auszeichnung promoviert hatte, lehnten die Universitäten in Freiburg, Göttingen sowie Breslau ihre Habilitationsgesuche ab. Einer wahrscheinlicher Grund dafür war ihr Geschlecht. Die Professorin für Moraltheologie Katharina Westerhorstmann schreibt über Edith Stein, dass diese einen wichtigen Beitrag zu den Frauenrechten in Deutschland geleistet habe. Sie sieht in Edith Stein den Beweis dafür, dass es Wissenschaftler<strong>innen</strong> braucht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Frau &#8211; Gefährtin und Gehilfin</h2>



<p>Denn Edith Stein habe mit ihrer „Natur der Frau“ nichts anderes beschrieben als einen Vorgedanken des heutigen Verständnisses von „gender“ als soziales Konstrukt. Doch beschreibt Edith Steins „Natur der Frau“ mitnichten die heutige Definition des Begriffs „gender“. Für Edith Stein war das soziale Geschlecht unweigerlich mit dem biologischen Geschlecht verbunden. Sie sah es als Pflicht der Frauen an, sich um Haus und Erziehung zu kümmern, doch schrieb auch, dass Frauen ein Recht auf Arbeit hätten. Denn zum Zeitpunkt des Kampfes um Frauenrechte forderten die Frauen in der Regel ihre Rechte a priori. Als Edith Stein Stellung bezog, tat sie dies jedoch a posteriori. Sie schrieb unter anderem, dass es einer Frau unter Umständen möglich sei, „den »männlichen« Beruf in einen »weiblichen« umzuformen“ (Die Frau, S. 2). So würde ich die These aufstellen, dass Edith Stein im „Frau sein“ nicht allein ihre Emanzipation vom Patriarchat sieht, aber mehr als die Rolle der stillen Ehefrau, die die Kinder gebärt. So sieht sie den Mann nicht als Herrscher über die Frau, sondern die Frau als seine Gefährtin und Gehilfin. Durch die Herrschaft jener Männer aber, vermutete Edith Stein, sei ein Strafzustand eingetreten, welcher die Frau nur biologisch, aber nicht sozial Frau sein lasse, was letztlich dazu führe, dass ihre Fähigkeiten nicht ausgeschöpft werden. Dies führt laut Edith Stein dazu, dass der Mann selbst leidet und selbst zum Sklaven einer durch den Status Quo gegebenen Sklavin wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das späte Werk der Edith Stein</strong></h2>



<p>Kurz nach der Machtübernahme durch das NS-Regime wurde Edith Stein zu einer Karmelitin (einer Angehörigen eines Bettelordens). Damit einher ging auch ihr neuer Ordensname: Teresia Benedicta vom Kreuz. Auch in ihrer Klosterzeit veröffentlichte sie Schriften. Darunter fällt unter anderem <em>Endliches und Ewiges</em> <em>Sein.</em> In diesem Werk setzt sich Edith Stein sowohl mit den Thesen ihres Doktorvaters Edmund Husserl als auch mit seinem Nachfolger an der Universität von Freiburg, Martin Heidegger, auseinander. Für viele gilt dieses Werk als das Magnum Opus ihrer Publikationen.</p>



<p>Bereits im Jahr 1939 schrieb Edith Stein neben ihren wissenschaftlichen Abhandlungen, Notizen und Briefen ihr Testament. Hier soll sie laut des Erzbistums Köln geschrieben haben, dass sie den Tod, welchen Gott für sie vorsehe, akzeptieren werde. Ob sie dies unwissentlich der Lage der Jüd:innen in Deutschland und nur ihrem Glauben wegen schrieb, oder bereits aufgrund ihrer jüdischen Herkunft eine dunkle Ahnung hegte, ist nicht bekannt. Drei Jahre später, am 02. August 1942, wurde sie schließlich verhaftet und deportiert. Über Umwege gelang sie schließlich in weniger als sieben Tagen in das KZ Auschwitz-Birkenau, wo sie dem NS-Regime zum Opfer fiel. Als ihr Todestag gilt der 09. August 1942.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Buchempfehlungen</strong></h2>



<p>Prof. Westerhorstmann hat bereits bewiesen, dass Edith Stein genug Material für ganze Promotionsarbeiten bietet. Ich wollte jedoch lediglich einen kleinen Einblick in Edith Steins Werk bieten. Dafür empfehle ich vor allem die Werke „Die Frau“ von Edith Stein als auch „Selbstverwirklichung und Pro-Existenz. Frausein in Arbeit und Beruf bei Edith Stein“ von Prof. Katharina Westerhorstmann.</p>



<p></p>



<p><strong>Glossar:</strong></p>



<p><strong>A priori</strong>: Von Erfahrung unabhängig; Logisch erschließbar.</p>



<p><strong>A posteriori</strong>: Abhängig von Erfahrungen.</p>



<p><strong>Phänomenologie</strong>: Eine philosophische Strömung, welche jeglichen Ursprung der Erkenntnisgewinnung in unmittelbar gegebenen Erscheinungen, sogenannten Phänomenen sehen. Ihre bekanntesten Vertreter sind der Begründer Edmund Husserl oder Martin Heidegger.</p>
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		<title>Von den Geldflüssen der EZB</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dominik Hechler]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Aug 2023 22:29:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beitrag]]></category>
		<category><![CDATA[Fluss]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Schein]]></category>
		<category><![CDATA[Umfrage]]></category>
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					<description><![CDATA[Banken leben in der Regel von ausreichendem Geldfluss. Das ist nicht nur eine deutsche Symbolik:. Im Englischen moneyflow, im Französischen flux monétaire, im Italienischen flusso di cassa.]]></description>
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<p><strong>Ein Kommentar von Dominik Hechler</strong>  </p>



<p>Kaum ein „Fenster“ ist so bekannt wie das auf den aktuellen 50-Euro- Scheinen. Aber was hat es eigentlich mit diesen Fenstern auf sich? Auch die Brücke auf der Rückseite ist bekannt. Wer sich jetzt fragt, wo sich diese Brücke oder das Fenster in Wirklichkeit befinden, dem kann ich helfen. Alle Brücken befinden sich in der niederländischen Stadt Spijkenisse. Dort wurden sie jedoch als Kunstprojekt nachgebaut und zwischen den Jahren 2011 und 2013 enthüllt. Tatsächlich sind aber alle Motive auf den Scheinen Kunstschöpfungen, die sich am Europäischen Gedanken orientieren sollen. Die Brücken stellen die Verbundenheit zwischen den Völkern Europas dar, so begründet es zumindest die Europäische Zentralbank (EZB). Die Fenster und Türen auf den Vorderseiten symbolisieren demnach Epochen moderner europäischer Geschichte. Im Fall des 50-Euro Scheins, dem meist gedruckten Geldschein Europas, handelt es sich um den Renaissance-Stil. Der 5-Euro- Schein zeigt im Gegenzug einen Türbogen, wie er in der Klassik gebaut worden wäre.</p>



<p>Nun will die EZB nach über 20 Jahren ein neues Design für die europäischen Banknoten in Auftrag geben. Noch bis zum 31. August 2023 können aller Bürger:innen, die möchten, an einer <a href="https://survey.ecb.europa.eu/euro-banknote-survey?lang=de" data-type="link" data-id="https://survey.ecb.europa.eu/euro-banknote-survey?lang=de" target="_blank" rel="noopener">Umfrage auf der Website der EZB</a> teilnehmen. Die Umfrage stellt verschiedene Designideen vor, die man anschließend bewerten kann. Die Optionen reichen von verschiedenen Berufen wie Astronaut und Astrophysiker über abstrakte Kunstkonzepte wie die Darstellung von Händen . Hände werden in so vielen Vorschlägen erwähnt , dass ich nicht überrascht wäre, wäre die Entscheidung für sie schon gefallen und es gehe eigentlich nur darum, welche Hände man wie darstellt. Es gibt aber auch handfreie Vorschläge.</p>



<p>Auf den sieben Banknoten könnten auch europäische Vogelarten abgedruckt werden. Laut EZB wäre die Eule ein ideales Beispiel, denn die Eule ist nicht einfach nur ein Vogel sondern auch ein Symbolbild der Weisheit. Nicht umsonst lautet der lateinische Name des Steinkauzes „Athene noctua“ – Athenes Eule. In der Mythologie wurde Athene, sowie ihre römische Kollegin Minerva, immer von einem Steinkauz begleitet, daher kennt man auch heute noch den Ausdruck „Eule der Minerva“ bzw. „Eule der Athene“. Mit Österreich und Estland teilen sich sogar zwei Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ihren offiziellen Nationalvogel – dabei könnte kaum ein Vogel weniger national sein als die Rauchschwalbe. Ihre Brutgebiete reichen von Kanada über Schweden in die Mongolei bis nach Japan und ihre Überwinterungsgebiete von Brasilien über Südafrika und Singapur bis nach Australien. Also ein Vogel, der nicht nur Europa verkörpert, sondern auch die BRICS-Staaten vereint &#8211; oder die CARICOM, wenn man seine Migrationsgebiete berücksichtigt.</p>



<p>So schön der gallische Hahn (Frankreich), der Turmfalke (Belgien) oder der Seeadler (Polen) sein mögen, so sind sie immer nur Repräsentanten der einzelnen Nationen Europas, eben mit Ausnahme der Rauchschwalbe. Daher hat mich der finale Vorschlag am Ende der Umfrage sehr gefreut: Paneuropäische Flüsse. Die EZB schlägt vor, Abschnitte von Flüssen abzubilden, die nationale Grenzen überschreiten. Also nicht die großen europäischen Binnenflüsse wie Weichsel oder Loire.</p>



<p>Das größte paneuropäische Beispiel ist die Donau. Sie fließt durch sieben Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie drei Beitrittskandidaten: die Ukraine, Moldau und Serbien. Auch der Rhein bietet sich an, der neben seinem Mündungsland, den Niederlanden, und seinem Quellland, der Schweiz, durch die EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Österreich sowie das EFTA-Mitglied Liechtenstein fließt.</p>



<p>Der Fluss an sich wäre schon eine schöne Metapher: Schließlich ist die EZB, wie es der Name sagt, eine Bank. Banken leben in der Regel von ausreichendem Geldfluss. Das ist nicht nur eine deutsche Symbolik:. Im Englischen moneyflow, im Französischen flux monétaire, im Italienischen flusso di cassa. Geld muss fließen, damit die Finanzinstitute daran verdienen können. Wenn von heute auf morgen niemand mehr Geld bewegen würde, gäbe es keinen Bedarf mehr an Geldinstituten. Hier schließt sich der Kreis: Wenn das Geld nicht mehr fließt, braucht es schließlich auch keine neuen Banknoten.</p>



<p></p>



<p>Glossar: <br><strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/BRICS-Staaten" data-type="link" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/BRICS-Staaten" target="_blank" rel="noopener">BRICS</a></strong>: Akronym der Mitgliedsstaatetn einer internationalen Organisation, bestehend aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. <br><strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Freihandelsassoziation" target="_blank" rel="noopener">EFTA</a></strong>: Die &#8222;European Free Trade Association&#8220; bestehend aus Island, Norwegen, Liechtenstein (Alle drei auch Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraum) und der Schweiz.<br><strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karibische_Gemeinschaft" data-type="link" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/Karibische_Gemeinschaft" target="_blank" rel="noopener">CARICOM</a></strong>: Akronym für &#8222;Caribbean Community and Common Market&#8220;<em>;</em> die internationale Staatengemeinschaft von 15 karibischen Staaten inklusive Trinidad und Tobago, Jamaika oder die Bahamas.</p>
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		<title>Mitbestimmen an der Uni: Warum Hochschulpolitik wichtig ist</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Leonie Wiegel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jun 2023 22:31:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beitrag]]></category>
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					<description><![CDATA[Die jährliche E-Mail verschwindet unter einem Stapel aus Einladungen zu Studien, Terminänderungen für das Mittwochsseminar und Veranstaltungstipps. Auch an den Wahlständen hastet man auf dem Weg zur Vorlesung vorbei, mit dem diffusen Gedanken: Stimmt, dieses Mal sollte ich wirklich mal wählen&#8230; Und am Tag der Wahl hat man dann viel zu viel anderes zu tun [&#8230;]]]></description>
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<p>Die jährliche E-Mail verschwindet unter einem Stapel aus Einladungen zu Studien, Terminänderungen für das Mittwochsseminar und Veranstaltungstipps. Auch an den Wahlständen hastet man auf dem Weg zur Vorlesung vorbei, mit dem diffusen Gedanken: Stimmt, dieses Mal sollte ich wirklich mal wählen&#8230; Und am Tag der Wahl hat man dann viel zu viel anderes zu tun oder weiß nichts mit den unbekannten Namen auf den Listen anfangen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Extrem niedrige Wahlbeteiligung</h2>



<p>Hochschulpolitik und -wahlen gehen im Unialltag oft unter. Das zeigt nicht nur die Beobachtung von Einzelfällen, sondern auch die Statistik: <a href="https://correctiv.org/aktuelles/bildung/2020/08/09/uni-demokratie-studierende-waehlen-kaum/" target="_blank" rel="noopener">Eine Auswertung von Correctiv</a> ergab deutschlandweit eine durchschnittliche Beteiligung von rund 15%, es finden sich aber auch Beispiele für eine Wahlbeteiligung unter 10%. Woran liegt das?</p>



<p>Unipolitik sei eine Zusatzbelastung für Studierende, erzählt Lara Zieß, Vorständin des Studierendenparlaments (StuPa) der Philipps-Universität Marburg. &#8222;Das Studium ist sehr aufwendig, viele müssen sich nebenbei auch noch finanzieren. Da fehlt teilweise einfach die Zeit, sich in Ausschüssen zu beteiligen.&#8220; Und die niedrige Beteiligung schlage sich auch im Informationsangebot für die Wahlberechtigten nieder.</p>



<p>Doch auch wenn StuPa und Fachschaftsräte im Unialltag nicht immer sichtbar sind, ist ihre Arbeit wichtig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hochschulpolitik gestaltet Unialltag mit</h2>



<p>In erster Linie vertreten StuPa, AstA und die Fachschaftenkonferenz  bzw. der Studierendenrat (StuRa) oder die Studierendenvertretung (StuVe) (zu all diesen Begriffen weiter unten mehr) alle Student:innen einer Uni. &#8222;Was haben wir schon zu melden?&#8220; mag sich die eine oder der andere fragen. </p>



<p>Aber die schöne Versprechung von Demokratie wird in ganz konkrete Ergebnisse übersetzt, wenn es beispielsweise während der Energiekrise um die Öffnungszeiten der Unibibliothek Erfurt und zwischen Energie sparen und den Interessen der Studierenden abgewogen werden muss. Oder bei Verhandlungen mit Verkehrsbetrieben für Semestertickets: Hier ist das weitläufige Ticket der Uni Marburg, das Regional- und Teile des Fernverkehrs in ganz Hessen und darüber hinaus abdeckt, ein Vorzeige-Beispiel. Aber auch im Semesterticket enthaltene Kulturtickets, die beispielsweise den Student:innen in Marburg und Erfurt Zugang zu Theater- und Musikveranstaltungen verschaffen, werden von den Vertreter:innen der Studierenden ausgehandelt. </p>



<p>Das Lieblingsbeispiel für erfolgreiche Hochschulpolitik von Lara Zieß ist die Einführung kostenloser Periodenprodukte an der Uni Marburg. Die gibt es seit 2022 an vier Standorten in der Uni. Entstanden ist das Pilotprojekt durch einen Antrag aus dem StuPa, um das finale Konzept hat sich eine Referentin  für Geschlechtergerechtigkeit des AstAs zusammen mit den Gleichstellungsbeauftragten der Uni gekümmert. Zu Beginn finanzierte der AstA das Projekt aus eigenen Mitteln und die AstA-Referentin füllte die Hygieneprodukte selbst nach. &#8222;Mittlerweile hat sich das so gut etabliert, dass die Uni sich darum kümmert und das auch finanziert&#8220;, resümiert Lara Zieß zufrieden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Studentisches Engagement ist gefragt</h2>



<p>Doch für solche Erfolge braucht es engagierte Student:innen. Hochschulpolitik müsse präsenter werden, so Lara. Die Einführung von Online-Wahlen habe die Wahlbeteiligung leicht heben können, bei den Dozent:innen sogar sehr stark (hier ist sie aber im Allgemeinen meistens höher als bei den Student:innen). Ansonsten bleibe nur Werbung durch Infostände und Plakate, um auf die Wahlen und Hochschulpolitik im Allgemeinen aufmerksam zu machen. &#8222;Aber das ist auch wieder ein Zeitfaktor, das muss man auch erst einmal stemmen können.&#8220;</p>



<p>Hochschulpolitik zu machen ist also zeitintensiv und benötigt persönliches Engagement. Dafür kann aber auch viel erreicht werden, das den Alltag der Studierenden direkt beeinflusst. Ein erster Schritt, dieses Jahr am Wahlstand kurz stehen zu bleiben, ein paar Infos mitzunehmen und dann den Wahltermin in den Kalender einzutragen.</p>



<p>Wie genau die Hochschulpolitik an der Uni Marburg aufgebaut ist, <a href="https://youtu.be/UmDHeJ8kiBI" target="_blank" rel="noopener">seht ihr in diesem Video.</a> Das gezeigte Modell ist das häufigste in Deutschland, es gibt aber auch noch andere Formen der Organisation, wie den StuRa und die StuVe. Das Video ist Teil eines Bewerbungsvideos, das sich mit der Organisation der Wahlen auseinander setzt, daher geht es kurz auch auf diesen Aspekt ein.</p>
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		<title>Studentin sucht Gemeinde – Eine digitale Suche nach Gott</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Leonie Wiegel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 May 2023 18:06:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Beitrag]]></category>
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					<description><![CDATA[Religiöser Glaube, Zugehörigkeit zu einer Kirchengemeinde &#8211; das spielt für immer weniger junge Menschen in Deutschland eine Rolle. Und doch kann Religion immer noch Halt und Kraft vermitteln. Eine moderne Suche nach dem richtigen Weg zu glauben. Ein Hauch von Aufregung liegt in Dianas (Name v. d. Red. geändert) Bewegungen und Sätzen. Ihre Nervosität blitzt [&#8230;]]]></description>
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<p class="has--font-size"><strong>Religiöser Glaube, Zugehörigkeit zu einer Kirchengemeinde &#8211; das spielt für immer weniger junge Menschen in Deutschland eine Rolle. Und doch kann Religion immer noch Halt und Kraft vermitteln. Eine moderne Suche nach dem richtigen Weg zu glauben.</strong></p>



<p>Ein Hauch von Aufregung liegt in Dianas (Name v. d. Red. geändert) Bewegungen und Sätzen. Ihre Nervosität blitzt nur selten hervor. Die Leichtigkeit ihres Humors und der spöttische Sarkasmus, der viel von ihrer Naivität nimmt, überspielen die leichte Anspannung gut. Doch nach zwei Jahren Freundschaft ist sie eindeutig erkennbar. Sie könnte daher rühren, dass die 26-jährige in einer halben Stunde online mit einer Gruppe fremder Menschen telefonieren wird – und der Grund für dieses Treffen emotional besetzt ist: Es ist Teil des Versuchs, einen neuen Zugang zu ihrem Glauben zu finden.</p>



<p>Diana trifft sich mit einem Online-Hauskreis, Menschen mit unterschiedlichen christlichen Hintergründen, die keine feste Gemeinde haben, aber Austausch suchen. Die Gruppe kommt heute zum ersten Mal zusammen. „Ich hoffe, dort Menschen zu treffen, die ähnlich denken wie ich, offener sind, nicht so sexistisch und so. Vielleicht könnte das nochmal ein Zugang sein.“</p>



<p>Bei Diana zu Hause spielt Glaube keine große Rolle, trotzdem ist sie christlich aufgewachsen: „Ich war in einem christlichen Kindergarten, das war eben der bei uns im Dorf und später sind wir dann in eine freie christliche Grundschule gegangen, weil das eine gute Schule sein sollte.“ Später wechselt sie auf die ebenfalls freie christliche Realschule.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Religiöses Aha-Erlebnis auf der Skifreizeit</h2>



<p>Ihr religiöses Aha-Erlebnis hat sie in der Pubertät: „Als wir auf einer Skifreizeit ganz viel über Jesus geredet und Lieder gesungen haben, da hab ich plötzlich gedacht: Der hat mir das geschenkt, ich muss ja gar nichts dafür tun, weil er mir das geschenkt hat, einfach weil er mich liebt; und dann dachte ich so: Boah, krass! Krass! Das hat mich total berührt.“ </p>



<p>Von nun an ist der Glaube ein aktiv wichtiger Teil in Dianas Leben: Viele christliche Lieder geben ihr Kraft, sie arbeitet als Jugendleiterin im Kindergottesdienst. Doch sie wird auch von den engen Moralvorstellungen ihrer Freikirche beeinflusst: „Ganz ehrlich, als ich aus der Realschule kam, war ich auch homophob. Ich hatte damit nie Berührungspunkte und habe immer gesagt, das ist doch nicht normal.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Christin sein oder nicht</h2>



<p>Die Trennung von ihrem damaligen Freund, das Studium und die Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche lassen sie immer mehr zweifeln. „Wenn ich ehrlich bin, weiß ich auch nicht genau, ob ich mich noch als Christin bezeichnen würde. Aber ich vermisse das ein bisschen, es hat mir schon immer viel gegeben.“ Christin sein oder nicht – das ist ein Konflikt, der Diana viel beschäftigt.</p>



<p>Die Runde ist zusammengekommen. Nach einem etwas stockenden Beginn berichten die Teilnehmenden von ihren Glaubensvorstellungen. „Was meinen die alle mit konservativ?“ murmelt Diana. Den Begriff assoziiert sie mit all dem, was sie an vielen Glaubensgemeinschaften abschreckt: Frauen, die nicht predigen dürfen, Sittenregeln für Paare, die Verurteilung von Homosexuellen. Konkret erzählen die Teilnehmenden aber eher vom offenen Austausch innerhalb des christlichen Glaubens und über seine Grenzen hinweg. </p>



<p>Diana stellt sich und ihre Erwartungen an das Treffen vor. Auf die Bemerkung einer Teilnehmerin, dass es nicht schlimm sei, nicht zu glauben, reagiert sie allergisch: „Vielleicht liegt das auch an meinen Erfahrungen, weil ich im christlichen Umfeld oft als nicht richtig christlich angesehen wurde, aber das regt mich so auf, dieses ‚es ist nicht schlimm, wenn du kein richtiger Christ bist.‘ Diese Toleranz, die so von oben herab kommt“, erzählt sie später.</p>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Es gibt nicht die eine richtige Interpretation&#8220;</h2>



<p>Die Gruppe kommt nun zum Hauptteil des Treffens: dem gemeinsamen Lesen und Besprechen des aktuellen Predigttextes. Diana richtet sich auf ihrer Couch ein, mit Decken, Tee, zwei Bibelübersetzungen, Papier und Stift. Das Lesen des Bibeltextes fesselt sie eine ganze Weile, dieser Teil ihres Lebens ist nicht mehr so präsent wie früher, aber er gehört definitiv zu ihr. Bei den Worten einer jungen Frau, die davon spricht, dass es nicht die eine richtige Interpretation von Gottes Wort gebe, nickt Diana enthusiastisch. Doch im Laufe der Gesprächs nimmt ihr Interesse ab: „Mich interessiert jetzt eigentlich nicht so besonders, wie die einen Kniefall interpretieren.“ </p>



<p>Zum offiziellen Ende der Runde ist die Unterhaltung noch im Gange, doch Diana verabschiedet sich. „So richtig viel hat mir das jetzt nicht gegeben, aber es war ja auch das erste Treffen. Ich fand’s auf jeden Fall cool, mal wieder was zu lesen und mit Menschen darüber zu sprechen. Vielleicht probiere ich’s ja nochmal.“ Dianas Weg zu einem modernen, emanzipierten Glauben – er hat gerade erst begonnen.</p>
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