Sachbücher über Sprache, Politik und Clickbait – Lesetagebuch Pt. 8

07.02.23 – 21:47

Gelesen: Die Psychologie des Postfaktischen von Markus Appel

Gedacht: Der Hostile-Media-Effekt und Confirmation Bias sind wirklich interessant. Sollte man auch für den eigenen Medienkonsum und die Bewertung dessen im Kopf behalten.

Gelesen: Zusammen leben von Bart Somers

Gedacht: Der Abschnitt über totalitäre Regime hat mir gut gefallen.

14.02.23 – 11:38

Gelesen: Die Psychologie des Postfaktischen von Markus Appel

Gedacht: Und so schnell wird die Lektüre zu einer Quelle für meine Masterarbeit und ich sitze an meinem Rechner…

19.02.23 – 10:49

Gelesen: Die Psychologie des Postfaktischen von Markus Appel

Gedacht: Das mit den Nachrichtenfaktoren und den daraus folgenden kritischen Aspekten ist wirklich spannend und regt zum Nachdenken an. Ma findet es sofort verzerrend und wünscht sich einen Ausgleich, aber gleichzeitig sind diese Faktoren auch sehr intuitiv und eine gegenteilig gestaltete Nachrichtenauswahl würde sicher Irritation hervorrufen – und ebenfalls verzerren. Das ist so ein schwieriges Thema: Nachrichtenauswahl und Berichterstattung (die wiederum auf Informationsauswahl basiert) verzerren ja immer die Wirklichkeit. Sprache kann nie die komplette Wirklichkeit abbilden und es liegt in der Verantwortung der Journalistin eine Darstellung zu wählen, deren Verzerrung sie vertreten kann und die möglichst nah an der Wirklichkeit ist.

Auf das Kapitel zu Trolling bin ich jetzt sehr gespannt. Das ist ja aus gesprächsanalytischer Sicht (Stichwort Grice’sche Konversationsmaxime) total spannend.

22.02.23 -10:35

Gelesen: Zusammen leben von Bart Somers

Gedacht: Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich jede einzelne Sicherheitsmaßnahme von Somers befürworte; einige sehe ich zumindest aus meiner privilegierten Position, in einer sicheren Stadt zu leben, etwas kritisch, aber der Wandel der Stadt Mechelen scheint schon erstaunlich zu sein. Es muss dort in den 90ern wirklich heftig zugegangen sein.

Wenn ich über meine kritische Haltung gegenüber Kameras und berittenen Polizeikontrollen nachdenke, fällt mir aber auf, dass ich die Maßnahmen in deutschen Städten wahrscheinlich deutlich kritischer sehen würde, als in den brasilianischen Großstädten, die ich kennen gelernt habe. Dort würden mich solche Sicherheitsmaßnahmen vielleicht eher beruhigen. Auch wenn nach meinem Kenntnisstand Polizeipräsens in Brasilien nicht unbedingt etwas mit Sicherheit zu tun hat. Und ob Kameras wirklich helfen würden, ist auch fraglich.

Ich bleibe dabei: Auch wenn das Bedürfnis nach solchen Sicherheitsmaßnahmen mit zunehmender Kriminalität natürlich steigt, sollten sie hauptsächlich als Symptombekämpfung gesehen werden. (Manchmal ist die ja auch nötig.) Aber die Prävention (Bekämpfung von Armut, Bildung, Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts) sollte immer im Fokus liegen.

17:45

Gelesen: Die Psychologie des Postfaktischen von Markus Appel

Gedacht: Die nicht rein negative Herangehensweise an Clickbait fand ich wirklich interessant. Ich klicke auch immer wieder auf Titel, in dem Wissen, dass und wie ich gerade manipuliert werde. Ein wirklich faszinierendes Themengebiet.

05.03.23 – 13:10

Gelesen: Zusammen leben von Bart Somers

Gedacht: Inhaltlich kann ich hier echt nicht viel zu sagen. An sich klingen die Ansätze sinnvoll, ich weiß nicht, inwiefern sich das Konzept auf andere Städte übertragen lässt. Aber einen Versuch ist es sicherlich für jede*n Bürgermeister*in wert, der*die mit Gewalt und Kriminalität zu kämpfen hat. Somers erklärt das Konzept auf jeden Fall so klar und schlüssig, dass es mir einleuchtet.

17:34

Gelesen: Deutsch für Profis: Wege zum guten Stil von Wolf Schneider

Gedacht: Vielleicht vorab: Ich traue mich kaum, einen so renommierten Journalisten, dessen gestochen scharfer Umgang mit der deutschen Sprache sich direkt einprägt, zu kritisieren. Außerdem traue ich mich kaum noch, Adjektive oder Substantive zu nutzen. Ich tue es mal dennoch. Neben den wirklich sinnvollen Regeln, die ich alle geradezu inhalieren möchte, um verständlicher, konkreter, korrekter und schöner zu formulieren, beschäftige ich mich wohl schon zu lange mit der Analyse von Sprachgebrauch (Language in use), um mich so wirklich aufregen zu können.

Ich habe eine ganze Hausarbeit zu Sprachnormierung und Sprachkritik geschrieben und mein Fazit war: Sprachnormierung ist bis zu einem bestimmten Punkt richtig und wichtig, sollte aber nie dafür genutzt werden, um Menschen zu stigmatisieren oder zu diskriminieren. Jede sprachliche Entwicklung, die zur Verständigung genutzt wird, hat ihren Grund und ihre Berechtigung. Ihre Aufgabe ist schließlich zuallererst, Kommunikation zu ermöglichen.

Natürlich ist das beim journalistischen Schreiben etwas anderes, weil es kein so direktes Feedback gibt, wie in persönlicher Kommunikation, und sich rein ökonomische Mechanismen einschleichen können, die die Verständlichkeit unnötig erschweren.

Trotzdem mag ich den mitunter rauen Ton und die Bezeichnung von Schreibenden als „dumm“ nicht besonders. Die ausgefeilte Sprache erfährt dadurch keinen Abbruch, es ist aber nicht mein Stil. Auch weil ich mich über die sprachlichen Fehlgriffe nicht so sehr aufregen kann.

17:53

Gelesen: Deutsch für Profis: Wege zum guten Stil von Wolf Schneider

Gedacht: Oh. Ich vermute mal, Schneider hatte keine Freude am Gendern…

Das Gleichgewicht zwischen genauer und verständlicher Sprache ist wirklich schwer und auch nicht abschließend zu finden.

Auch wenn ich mich empörter Sprachkritik nicht anschließen kann, bin ich begeistert von den Tipps. Sie leuchten sofort ein; teilweise war mir die Regel noch nicht bewusst, macht im Beispiel aber sofort Sinn; teilweise erklärt die Regel mein Sprachgefühl, übersetzt es in Logik. Und sie brennen sich ein, sind (bis jetzt) leicht zu merken.

Aber als Akademikerin verspüre ich immer noch etwas Unbehagen bei der einen oder anderen Vereinfachung. Das ist wirklich ein schwieriges Spannungsfeld. Ich habe ja auch erlebt, wie sehr sich Wissenschaftler:innen über Vereinfachungen im Journalismus ärgern können.

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