11.01.23 – 12:41
Gelesen: Allegro Pastell von Leif Randt
Gedacht: Nach einer kurzen Aufwärmphase gefällt mir der extrem realistische und detailgetreue Stil ziemlich gut. Vielleicht auch, weil ich Hessen und Frankfurt so mag. Ich kann noch nicht so viel dazu sagen, aber die Charaktere haben ein bisschen das Potenzial tierisch zu nerven…
Diese nervtötende positive Reflexion… Und dabei erkennt man so viel wieder. Ich glaube, das Nervige ist mit Absicht so.
Und vor allem wirkt dieses Durchreflektierte letzten Endes auch total naiv.
12.01.23 – 11:42
Gelesen: Allegro Pastell von Leif Randt
Gedacht: Das mit den Generationen ist schon spannend. Einerseits verstehe und fühle ich vieles der Protagonist:innen, andererseits merke ich, dass sie etwas älter sind als ich. Und spätestens ab 10 Jahren Altersunterschied sind da schon große Unterschiede. Aber es sind auch immer so fließende Übergänge. Vielleicht zeichnet das Buch auch eher die späten 10er Jahre als eine bestimmte Generation und dadurch kommt mir vieles bekannt vor.
Das Nervige an den Charakteren ist, dass sie alles zu Ende reflektieren, dabei total altklug wirken und das aber auch schon reflektiert haben, was ihre Altklugheit noch nerviger macht. Und dass sie in dieser Art gar nicht so weit weg von vielen Menschen in der Realität sind.
Die Stimmung ist bis jetzt ähnlich pudrig wie das Cover. Alles ist von einer weichen, nebligen Wolke umgeben. Jerome und Tanja werden mir auch immer sympathischer. Wahrscheinlich reflektiere ich manchmal ähnlich nervtötend alles zu Tode. Es baut im Buch aber eine gewisse Distanz zu den beiden auf, man weiß nie, was sie ungefiltert fühlen und denken.
13.01.23 – 00:20 Uhr
Gelesen: Allegro Pastell von Leif Randt
Gedacht: Vorauseilende Wehmut – was für ein passender Begriff für ein Gefühl, das ich sehr gut kenne. Das Gefühl, dass man mal wehmütig an diese Zeit zurückdenken wird. Auch diese Stimmung fühlt sich wie eine pastellfarbene, pudrige Wolke an. Das kenne ich. Ich kenne das Gefühl aber auch sehr dunkel.
Außerdem beweist der Roman, dass gendersensible Sprache auch in Romanen funktionieren kann – wenn man es undogmatisch und kreativ angeht. Und zugegebenermaßen passt es auch einfach gut ins Setting und die Erzählzeit.
13.01.23 – 08:01
Gelesen: Allegro Pastell von Leif Randt
Gedacht: Jetzt schleicht sich in die pudrige, klebrige Zuckerwatte etwas verwirrend Bitteres ein. Aber es ist erfrischend mitzubekommen, dass die Charaktere mal nicht genau wissen, warum sie wie denken und fühlen und auch mal nur so mittelgut kommunizieren. Ich glaube, es ist gar nicht so schlecht, wenn man als Paar mal aus dieser pudrigen Zuckerwatte raus muss. Es geht dabei gar nicht um richtigen Streit oder so, sondern um das gemeinsame Lösen von Problemen, die sich vielleicht auch etwas länger ziehen. Um das Aushalten, das nicht immer alles pudrig sein kann, und die Fähigkeit sich trotzdem immer ein bisschen Zuckerwatte bewahren zu können.
15.01.23 – 11:07
Gelesen: Allegro Pastell von Leif Randt
Gedacht: Oh Mann. Kurz nachdem mir die Charaktere weitgehend sympathisch geworden sind, nervt mich wieder ihre Nicht-Kommunikation. Gut, die Erzählung springt etwas, vielleicht wurde auch etwas von der Kommunikation weggelassen. Ich hoffe es.
16.01.23 – 10:18
Gelesen: Allegro Pastell von Leif Randt
Gedacht: Kurzes Zwischenfazit: Das Buch ist wirklich gut geschrieben. Selbst die Nervigkeit der Charaktere ist bewusst gestaltet und passt dadurch ins Gesamtkonstrukt. Ich mag den detail- und realitätsgetreuen Stil. Und Stimmungen werden schön aufgebaut. Man muss halt nur damit leben, dass die Leute sehr realitätsgetreu nervig sind.
16.01.23 – 15:26
Gelesen: Allegro Pastell von Leif Randt
Gedacht: Mega interessant, „der leicht entfremdete Blick auf Deutschland, der sich in den ersten Tagen nach der Rückkehr einstellte“, den Tanja und Jerome so toll am Reisen finden, den fand ich immer total befremdlich und traurig. Vielleicht, weil ich ihn besonders stark nach langen Reisen hatte, von denen ich (noch) gar nicht zurückkehren wollte. Nach kürzeren Reisen kenne ich das auch, dann ist es manchmal auch schön, die Heimat, das eigene Zuhause neu kennenzulernen. Aber ich verbinde das Gefühl vor allem mit großer Traurigkeit und Sehnsucht. Ich hätte es auch vorher schon niemals als das Schönste am Reisen beschrieben. Eher als ein notwendiges Übel, das irgendwie dazugehört.
Auch interessant: Tanjas Gedanken schildern zwar immer wieder, wie gut Jerome sie verstanden hat, sie scheint dieses gegenseitige Verständnis für Gefühle und Gedanken zu vermissen und das kann ich emotional auch total nachvollziehen, aber ich finde das meiste, was Janis sagt, so viel sinnvoller! Er bringt mal echte, ehrliche Reflexion in die Geschichte und nicht diese nervtötende Pseudo-Reflektiertheit.
17:12
Jetzt schreibt sie auch noch ein Buch über so eine überreflektierte Person… Ich glaube, das Nervige ist, das die Protagonist:innen immer denken, alles verstanden zu haben, obwohl sie alles und nichts verstanden haben könnten. Aber an sich klingt das Buch im Buch ganz gut. „In einem Berlin neben unserer Zeit“ ist schön.