Warum Stromkastenkunst? (Pt. 1) – Gegen Hass, für die Kunst und ein Lächeln

Bunte, künstlerisch gestaltete Stromkästen gehören zum Erfurter Stadtbild. Aber wer bemalt all die Stromkästen? Soviel kann vorab verraten werden: Die Spur verzweigt sich. Heute nehmen wir die erste auf.

Unser erster Stromkasten aus Erfurt ist ein Tipp von Andreas Horn, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kriminalpräventiven Rats der Stadt Erfurt. Max und Moritz in der Wilhelm-Busch-Straße, eine schöne Referenz. Horn fährt aber nicht nur regelmäßig an diesem Kasten vorbei – ohne den Kriminalpräventiven Rat wären Max und Moritz auf dem Kasten höchstwahrscheinlich gar nicht anzutreffen.

Zu Beginn seiner Amtszeit habe er gemeinsam mit Geschäftsführerin Kerstin Teply festgestellt, „dass viele Brückenunterführungen, aber auch Medienkästen [umgangssprachlich Stromkästen, Anm. d. Red.], beschmiert waren, ob das Hassparolen waren oder verfassungsfeindliche Symbole. Das ist für eine Stadt wie Erfurt ein Unding und ist nicht zu akzeptieren. Verfassungsfeindliche Parolen in der Stadt sind vollkommen inakzeptabel, egal auf welche Art und Weise.“

Die Lösung: Kunst. Ab Ende 2020 begann die Stadt damit, Unterführungen und Stromkästen zu reinigen, mit einem Graffittischutz zu versehen, und neu, künstlerisch zu gestalten. Denn:

„Damit haben wir den Vorteil, dass die Hemmschwelle, sich mit Graffitti oder Schmierereien zu verewigen, größer ist, die Bauwerke werden künstlerisch aufgewertet, und: Wenn Unterführungen heller gestaltet sind, auch die Lampen gereinigt wurden, dann steigt das subjektive Sicherheitsempfinden.“

Andreas Horn, Kriminalpräventiver Rat Erfurt

Auch die Kunst selbst solle gefördert werden. Freie Flächen für legale Street Art – das bieten insbesondere die 4000 Erfurter Stromkästen von Stadt und Stadtwerken, die für das Projekt zur Verfügung stehen. Für die Gestaltung der ersten 96 Kästen in den Gebieten Landtag – Daberstedt – Herrenberg – Wiesenhügel – Südrand der Altstadt kamen große und kleine Kunstschaffende zusammen.

Neben den Erfurter Künstler:innen Veit Gossler, Susanna Hanna, Marlen Mahrle, Max Kosta, Michal Schmidt, Peer Galus und Michael Künstler durften sich Schüler:innen der 6., 7. und 8. Klassen verschiedener Erfurter Schulen auf den Stromkästen verewigen.

Das Projekt setzt sich aus einer Vielzahl von Akteuren zusammen: Der Kriminalpräventive Rat kooperiert mit Ämtern und Verwaltung der Stadt, der Malschule der Erfurter Volkshochschule, Künstler:innen und Schulen; finanziert wird das alles von zahlreichen Unternehmen wie beispielsweise der Wohnungsbaugenossenschaft Einheit.

Horn erzählt von Passantinnen, die sich über die Straßenkunst freuen; auch in lokalen Facebook-Gruppen findet man viele Fans der bunten Stromkästen. Und darum gehe es doch, meint Andreas Horn: „Wenn die Leute mit einem Lächeln vorbeilaufen, dann haben wir was erreicht in dem Bereich!“

Die Gestaltung der Stromkästen soll fortgesetzt werden und viertelweise voranschreiten, so Horn. Damit in ganz Erfurt möglichst viele Hassparolen einem Lächeln weichen.

Stromkastenkunst gab es in Erfurt aber schon vorher. Beispielsweise lassen die Stadtwerke Erfurt ihre Stromkästen seit einigen Jahren von Künstler:innen gestalten. Mehr zu den Projekten und Aktionen hinter der Stromkastenkunst folgt.

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